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Depressive Störung: Ein Mann hält eine blaue Tasse mit Cappuccino, in dessen Schaum ein trauriges Smiley zu sehen ist.
iStockphoto/nito100
Symbolbild

Auch ältere Menschen können an einer Depression leiden. Doch häufig werden die Symptome mit Alterserscheinungen verwechselt. So erkennen Sie, ob Ihr Angehöriger an einer depressiven Störung leidet.

Laut einer Umfrage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe werden depressive Störungen bei älteren Menschen stark unterschätzt. Oft werden die Anzeichen heruntergespielt, als Alterserscheinungen abgetan oder sogar mit einer Demenz verwechselt.

Leichte Depression behandeln

Eine depressive Störung im Alter unterscheidet sich grundsätzlich nicht von einer Depression in jüngeren Jahren. Allerdings finden sich bei Senioren häufiger leichte Depressionen oder Depressionen, bei denen nicht alle typischen Symptome vorliegen. Da sie die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, sind sie auch bei alten Menschen behandlungsbedürftig.

Depression: Die Anzeichen erkennen

Wenn mindestens zwei der drei Hauptsymptome sowie zwei Zusatzsymptome über zwei Wochen oder länger auftreten, kann das auf eine Depression hindeuten:

Hauptsymptome

  • Verlust von Interesse und Freude
  • Niedergeschlagene gedrückte Stimmung
  • Antriebsmangel und schnelle Ermüdung

Zusatzsymptome

  • Appetitmangel
  • Schuldgefühle
  • Schlafstörungen
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Verringertes Selbstwertgefühl
  • Negative Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken

Körperliche Beschwerden im Vordergrund

Wer an einer Depression leidet, der nimmt Probleme stärker wahr und empfindet sie als bedrohlich. Während jüngere Menschen eher die gedrückte Stimmungslage thematisieren, liegt der Fokus bei älteren Menschen stärker auf der Wahrnehmung. Ältere klagen dann eher über gesundheitliche Einschränkungen wie Schmerzen oder Verdauungsprobleme, die als unerträglich empfunden werden. Weil ältere Menschen jedoch weniger über ihre Gefühle reden, werden oft nur die körperlichen Beschwerden behandelt.

Demenz oder Depression?

Häufig wird eine depressive Störung im Alter mit einer Demenz verwechselt, denn die Symptome ähneln sich sehr. So erkennen Sie die Unterschiede:

Anzeichen bei Demenz

  • Denk- und Gedächtnisstörungen beginnen schleichend und entwickeln sich über Jahre.
  • Betroffene erkennen Defizite nicht oder versuchen, sie ganz zu verbergen.
  • Antworten auf Fragen sind meist noch annähernd richtig, oft aber floskelhaft.
  • Stimmung und Verhalten der Betroffenen sind schwankend und häufig maskenhaft.
  • Irrtümer werden abgestritten und die Schuld bei anderen gesucht.
  • Bei Demenz gibt es häufig nächtliche Unruhe und Verwirrtheit.
  • Die Betroffenen sind zunehmend in Raum und Zeit desorientiert.

Anzeichen bei Depression

  • Die Symptome nehmen innerhalb weniger Wochen deutlich zu. Der Betroffene hat eine schwankende Tagesform, wobei es abends häufig besser geht.
  • Betroffene erkennen ihre Defizite und klagen darüber, sie sind aber nicht verwirrt.
  • Auf Fragen sind „Weiß-nicht“-Antworten typisch.
  • Die Stimmung ist gedrückt/depressiv und von Antriebsmangel und häufigem Grübeln begleitet.
  • Es gibt häufig Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit oder Versagensängste.
  • Bei Depressionen gibt es häufig Ein- und Durchschlafstörungen.
  • Die Betroffenen wissen das Datum, die Zeit und den Ort.

Was tun bei depressiver Verstimmung?

Wenn die Depression nur leicht ausgeprägt ist, dann können Johanniskraut-Präparate aus der Apotheke helfen. Dort gibt es freiverkäufliche Mittel und solche, die vom Arzt auf Kassenrezept verschrieben werden. Sie stärken die Nerven und hellen die Stimmung auf. Zudem hilft Baldrian bei nervöser Unruhe und lindert Einschlafstörungen. Passionsblume wirkt entspannend, angstlösend und beruhigend. In Ihrer Apotheke beraten wir Sie gerne.

Wann zum Arzt?

Bei mittelschweren bis starken Depressionen sollten Sie mit Ihrem Angehörigen zum Arzt gehen, denn eine Depression ist eine Krankheit, die behandelt und geheilt werden kann. Je nach Schwere der Erkrankung wird der Arzt eine Psychotherapie oder Antidepressiva verordnen. Auch eine Kombination von beidem ist möglich.

Betroffene richtig unterstützen

Als Angehöriger eines depressiven Menschen ist man oft hilflos. Aber es gibt einiges, was man tun kann:

Sätze wie „Reiß dich mal zusammen“ oder „Das wird schon wieder“ helfen nicht. Auch wenn sie gut gemeint sind, verharmlosen sie doch eine ernste Krankheit. Und beim Betroffenen können sie sogar Schuldgefühle auslösen.
Helfen Sie Ihrem Angehörigen in einen strukturierten Tagesablauf zurückzufinden und führen Sie mit ihm einen Kalender. Treffen Sie keine Entscheidungen über seinen Kopf hinweg. Machen Sie ihm Angebote: Wecken Sie den Spaß an der Bewegung wieder, zum Beispiel bei kurzen Spaziergängen zu verabredeten Zeiten. Oder vereinbaren Sie feste gemeinsame Mahlzeiten mit anderen Menschen. Bestärken Sie ihn auch, soziale Kontakte zu knüpfen und organisieren Sie ein „Unterstützungssystem“ für ihn. Aber übertreiben Sie es nicht und machen Sie vor allem keinen Druck. Der Depressive gibt Tempo und Pensum vor, denn oft ist ihm im Moment vieles zu anstrengend.
Das Wichtigste ist jetzt: zuhören. Aber bitte nicht eine krampfhaft positive Stimmung verbreiten, die macht nur ein schlechtes Gewissen. Bleiben Sie geduldig und fragen Sie nach. Dann erkennen Sie auch, wenn jemand Selbstmordgedanken hegt und Hilfe von außen notwendig wird.
Das gilt besonders, wenn jemand Suizidgedanken hat. Bleiben Sie dann mitfühlend und sprechen Sie mit Ihrem Angehörigen. Es ist gut, wenn Sie ihm Auswege aufzeigen können, aber holen Sie unbedingt Hilfe von außen. Professionelle Unterstützung durch einen Arzt oder Therapeuten ist das A und O. Spannen Sie ein Sicherheitsnetz um den Kranken, indem Sie eine Liste mit Menschen erstellen, die er im Notfall Tag und Nacht anrufen kann.
Sprechen Sie offen über Ihre Gefühle, Ängste und Sorgen, aber machen Sie keine Vorwürfe. Sie erzeugen nur neue Schuldgefühle beim Betroffenen und können ihn noch tiefer in die Depression treiben.
In einer Depression fallen selbst einfache Dinge schwer. Aufstehen und Anziehen, Zähneputzen und Essen sind während der Krankheit nicht selbstverständlich. Wer gestern noch im Bett lag und heute kurz aufsteht, der hat schon einen kleinen Schritt in Richtung Besserung getan.
Eine Depression kann therapiert und geheilt werden. Machen Sie deshalb Hoffnung auf ein gesundes Leben und die Zukunft.

Hilfe finden

Sofortige Hilfe erhalten Sie rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer 0800 1110111 oder unter 0800 1110222.

Informationen über Hilfe vor Ort erhalten Sie beim Info-Telefon Depression unter der kostenlosen Rufnummer 0800 3344533.
Sprechzeiten:
Mo., Di. und Do. 13:00 bis 17:00 Uhr
Mi. und Fr. 8:30 bis 12:30 Uhr

Mangelernährung vorbeugen

Depressionen gehen häufig auch mit Appetitlosigkeit einher, was zu Mangelernährung und Gewichtsverlust führt. So kann es schnell zu Infektanfälligkeit, Schwäche und Stürzen kommen. Eine hochkalorische Zusatznahrung, die sogenannte Astronautenkost, kann dem vorbeugen. Wir beraten Sie dazu gerne.

Jan Henning Staggenborg,

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